Themen > Recht & Gesetz

Weitergabe von Verkäuferinformationen

Maklerrecht – LG Stade, Urteil 22.12.2017; Az. 5 O 377/16

Grundsätzlich gilt für den Makler, dass er Informationen, die er vom Verkäufer erhalten hat, ungeprüft weitergeben darf. Dies setzt aber voraus, dass der Makler die entsprechenden Informationen – insbesondere, wenn er diese im eigenen Exposé über das Objekt herausstellt – mit der erforderlichen Sorgfalt eingeholt und sondiert hat.

Sachverhalt: 

Der beklagte Makler hatte ein Grundstück angeboten. Im Exposé wurde das Baujahr mit 1979 angegeben. Die Grundstücksgröße wurde mit 1075 m² angegeben. Nach dem Exposé sollte die Öl-Zentralheizung modern und stets gewartet worden sein.

Die klagende Käuferin verlangt Rückzahlung der Provision. Zwar war schon vor Kaufvertragsabschluss geklärt, dass das Grundstück nur 920 m² groß sei und der Kaufpreis dementsprechend reduziert wurde. Die Klägerin behauptet jedoch weiter, dass die Heizung mindestens 20 Jahre alt und nicht gewartet gewesen sei. Das Baujahr sei im Übrigen 1970 gewesen. Zudem sei ihr bei einer Besichtigung mündlich zugesagt worden, dass sie die Souterrainräume als Aufenthaltsräume nutzen und vermieten könne. Der Beklagte behauptete, dass er die Informationen von der Verkäuferin erhalten und das Exposé der Verkäuferin zur Prüfung übersandt habe.

Entscheidung: 

Das Landgericht Stade hat Beweis über die Behauptungen der Klägerin durch Zeugeneinvernahme erhoben. Da die Klägerin jedoch nicht unter Beweis stellen konnte, dass der Makler bei der Besichtigung die Nutzung und die Vermietbarkeit der Souterrainräume zugesagt hatte und ein Zeuge die Aussage der Verkäuferin bestätigte, dass die Heizung modern und gewartet sei, war dem Beklagten insoweit ein schuldhaftes Verhalten bzw. eine Verletzung der Aufklärungspflicht nicht vorzuwerfen.

Die Klägerin konnte nach Auffassung des Gerichts auch nicht unter Beweis stellen, dass der Beklagte seine Aufklärungspflicht in Bezug auf das Baujahr verletzt habe. Die Baujahrsangabe sei zwar falsch. Da aber der Makler die Informationen, die er von der Verkäuferin erhalten habe, weitergeben durfte und der Makler das Exposé der Verkäuferin zugesandt hatte mit der Bitte, eventuelle Korrekturen aufzugeben, konnte er, da ihm Änderungen nicht aufgegeben wurden, davon ausgehen, dass das im Exposé angegebene Baujahr zutreffend war.

Fazit:

Die Frage, welche Sorgfaltspflichten der Makler hinsichtlich der Aufklärung des Kunden hinsichtlich der Beschaffenheit des Grundstücks hat, führen zunehmend zu Differenzen zwischen Makler und Käuferkunden. Je detaillierter das Exposé gestaltet ist, umso größer ist die Gefahr, dass Ungenauigkeiten bei nur mündlicher Unterrichtung über das Objekt sich in das Exposé einschleichen. Dem Makler ist deshalb zu empfehlen, sich die Richtigkeit des Exposés vom Verkäufer bestätigen zu lassen. Der Makler sollte es nicht dabei bewenden lassen, dem Verkäufer das Exposé zuzuschicken mit der Bitte, eventuelle Korrekturen aufzugeben. Vielmehr sollte sich der Makler in jedem Fall von dem Verkäufer die Zusicherung geben lassen, dass die Angaben im Exposé zutreffend sind.

 

www.breiholdt-voscherau.de

Weitere Artikel
zum Thema Recht & Gesetz

Wann liegt ein wucherischer Grundstückskauf vor

1. Wird der Benachteiligte vor Vertragsabschluss anwaltlich beraten, liegt keine Sittenwidrigkeit vor.
2. Wenn Parteien auf Wertgutachten vertrauen und dies der Kaufpreisfindung zu Grunde legen, kann von einem „Ausnutzen“
im Sinne des § 138 Abs. 1 BGB keine Rede sein.
3. Wer nach sofortiger Kaufpreiszahlung sein befristetes Rückkaufsrecht nicht ausübt und sich dennoch auf § 138 BGB beruft, handelt selbst sittenwidrig.

Mehr lesen »

Wichtiges Urteil für Makler und Immobilienwirtschaft

Der Unternehmer muss dem Verbraucher eine formell ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung nebst Muster-Widerrufsformular aushändigen. Ausreichend ist, wenn die Widerrufsbelehrung dauerhaft abrufbar ist und die jederzeitige Möglichkeit besteht, sich das Muster-Widerrufsformular hervorzurufen. Wird die Widerrufsbelehrung mit Muster-Widerrufsformular automatisch vom System per E-Mail mit richtiger E-Mail-Adresse versandt, nachdem der Interessent den für den Download des Exposés erforderlichen Button gesetzt hat, und ist die Konfiguration des Unternehmers nicht manipulierbar, so ist der Beweis für den Zugang der E-Mail erbracht.

Mehr lesen »

Agent Provocateur

Bei Hinweisen auf ein erhebliches vertragswidriges Verhalten kann es dem Vermieter einer Wohnung erlaubt sein, einen sogenannten Agent Provocateur (eine Art Spitzel) einzusetzen, um die Pflichtverletzung nachzuweisen. So entschied es nach Auskunft des Infodienstes Recht und Steuern der LBS ein Gericht in der Bundeshauptstadt.

Mehr lesen »

Erbbaurechte vorzeitig verlängern

Bei 22 Prozent aller deutschen Erbbaurechtsgeber laufen bis 2030 Verträge in großem Umfang aus. Eine zweite Welle ist von 2040 bis 2060 zu erwarten. Das ergab eine Studie des Deutschen Erbbaurechtsverbands e. V. Er rät Erbbaurechtsnehmern und -gebern dazu, möglichst frühzeitig die Vertragsverlängerung anzustoßen.

Mehr lesen »

IMMOBILIENMARKT
Verlagsgesellschaft mbH
Königsweg 1, 24103 Kiel

Tel.: 0431 66452-0
E-Mail: info@derimmomarkt.de

Cookies