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GetiSafe – Zusammen ist man weniger allein

Die neue kostenlose App gegen Einbruch und Diebstahl

Wolfgang Tietjen,
Geschäftsführer der Getifix GmbH
MMOBILIENMARKT: Herr Tietjen, Sie sind Geschäftsführer der Getifix GmbH in Bremen. Der Schwerpunkt Ihres Franchise-Unternehmens liegt eigentlich in der Bausanierung, speziell im „gesunden Wohnen“. Ihre bundesweit vertretenen Fachbetriebe sorgen für trockene, schimmelfreie und warme Wände und Häuser sowie für ein gutes Raumklima. Was hat Sie nun dazu veranlasst, eine App entwickeln zu lassen, die zum einen die Nachbarschaft wieder enger zusammenschweißt und zum anderen mehr Sicherheit für das eigene Haus bietet?

Wolfgang Tietjen: Vor zwei Jahren bin ich selbst Opfer eines Einbruchs geworden. Leider konnte man mich erst später darüber informieren, da ich mich nicht in Deutschland aufgehalten habe und unsere Nachbarn unsere Telefonnummer nicht zur Hand hatten. Ich wollte eine Lösung dafür finden, wie sich Nachbarn in solchen und in anderen Fällen gegenseitig besser unterstützen können. Ich wünschte mir ein Instrument, das den Menschen die Möglichkeit gibt, schnell zu reagieren, ­Hilfe zu holen, sich zu solidarisieren und gegenseitig zu informieren.

So eine Vernetzung schafft Stärke: Man kann etwas tun und fühlt sich im besten Falle nicht so hilflos und den Geschehnissen ausgeliefert. In dieser sehr schnellen Zeit, in der Einbrecher und organisierte Banden immer erfinderischer und dreister werden, ist ein gewisses Sicherheitsgefühl und der Zusammenhalt der Nachbarn untereinander sehr wichtig.

IMMOBILIENMARKT: Wie funktioniert Ihre neue App und was macht sie so besonders?

Wolfgang Tietjen: Alle Anwohner der Nachbarschaft, die sich beteiligen möchten, tauschen unter­einander eine ihnen zugewiesene Chiffre-Nummer aus, sodass jeder mit jedem verbunden ist. Die Chiffre-Nummern verhindern, dass sich Unbefugte Zutritt zu dem jeweiligen Netzwerk verschaffen können. Das Prinzip ist sehr einfach gestaltet und funktioniert ähnlich wie ein Messenger. Über die sogenannte Push-Meldung können sich Nachbarn gegenseitig warnen, wenn sie etwas Verdächtiges in ihrer Nähe bemerken.

Ausgangssituation: Ein Nachbar beobachtet vielleicht jemanden, der während meiner Abwesenheit über mein Grundstück läuft und die teuren Gartenmöbel davonschleppt. Meine Nachbarn wissen aber, dass ich gar nicht da bin und über GetiSafe habe ich sie auch nicht darüber informiert, dass jemand kommt, um die Gartenmöbel abzuholen. Erstens können meine Nachbarn mir sofort eine Nachricht schicken und nachfragen oder zweitens direkt die Polizei alarmieren.

Über die GetiSafe-App kann sich jeder unter: www.getisafe.de informieren. Über diese Seite gelangt man auch zu den Seiten, über die man sich die App auf sein Smartphone herunterladen kann.

IMMOBILIENMARKT: Welche Erfahrungswerte haben Sie bisher gesammelt? Gab es in der Vergangenheit eine Situation, in der sich die App für Ihre Nachbarschaft bewährt hat?

Wolfgang Tietjen: Absolut! Im vergangenen Jahr haben Brandstifter in Bremen mehrere Autos in Brand gesteckt. Als ich die Nachricht über GetiSafe erhielt, dass bei einem meiner Nachbarn ein Auto aus dem Carport gestohlen wurde, ist mir fast das Herz stehen geblieben. Mir fiel ein, dass ich kurz vor unserer Abreise in den Urlaub unseren Wagen vollgetankt hatte, um Kondenswasser-Bildung im Tank zu vermeiden, und ihn wie immer in unserem Carport abgestellt hatte. Und dieses befindet sich direkt an unserem Haus.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte jemand den Wagen in Brand gesteckt. Ich habe deshalb unseren Sohn gebeten, den Wagen anderweitig unterzubringen. Über die App konnte ich außerdem sofort alle meine Nachbarn darüber informieren, dass der Wagen nicht gestohlen wurde, sondern dass mein Sohn ihn abgeholt hatte.

Ergänzend möchte ich erwähnen, dass die GetiSafe-App ein aktiver Einbruchschutz und eine solidarische Hilfe ist. Die App allein reicht natürlich nicht aus. Dauerhaft heruntergelassene Jalousien oder wochenlang keine Beleuchtung sind Auffälligkeiten, die zum Einbruch förmlich einladen. Nachbarn sollten zu unterschiedlichen Zeiten Bewegung ins Haus bringen, z. B. das Licht ab und an einschalten oder auch längere Zeit brennen lassen.

IMMOBILIENMARKT: Herr Tietjen, Sie selbst sind kein Softwareentwickler und haben die App in Auftrag gegeben. So eine Entwicklung ist nicht ganz kostengünstig, je nach Umfang der Anforderungen an eine App. Sicher fragen sich unsere Leser, warum ein Geschäftsmann, der ein erfolgreiches Franchise-Unternehmen auf die Beine gestellt hat, eine App für Nachbarschaftshilfe entwickeln lässt, um ein stärkeres Sicherheitsgefühl zu vermitteln und diese dann wiederum kostenlos zum Download anbietet. Warum bieten Sie die App gratis an?

Wolfgang Tietjen: Das kann ich ganz einfach beantworten. In den vergangenen 50 bis 60 Jahren hat sich sehr viel verändert. Nachbarschaft damals ist nicht mehr vergleichbar mit der Nachbarschaft von heute. Schaut der Nachbar heute aus dem Küchenfenster in einen anderen Garten, heißt es sofort: „Der neugierige Nachbar mal wieder!“. Aus Angst, diesen Stempel aufgedrückt zu bekommen, kümmert sich heute jeder nur noch um sich selbst und interessiert sich nicht mehr für seinen Nachbarn.

Aber die Statistiken der vergangenen Jahre zeigen: Die Einbrüche nehmen zu. Häufig sind es organisierte Diebesbanden, die ganz gezielt vorgehen und möglichst nichts dem Zufall überlassen. Daher ist erhöhte Achtsamkeit so wichtig. Wenn ich weiß, was in meiner Nachbarschaft normalerweise vorgeht, kann ich auch reagieren, wenn etwas Ungewöhnliches passiert.

Auch wenn GetiSafe zum gegenseitigen Einbruchschutz entwickelt wurde, dient die App aber ebenfalls dazu, bei persönlichen Notfällen oder in besonderen Situationen die Nachbarn um Hilfe zu bitten. Damit reicht die App weit über die virtuelle Nutzung hinaus – hinein ins reale Leben.

Neben Informationen und Tipps zum Einbruch- und Betrugsschutz gibt es über die App Hinweise zu gesundem Wohnen.

IMMOBILIENMARKT: Apps müssen ständig auf dem neuesten Stand gehalten werden. Wird GetiSafe künftig doch Geld kosten, wenn Neuerungen anstehen?

Wolfgang Tietjen: Auf keinen Fall. Die Weiterentwicklung steht natürlich auf der Tagesordnung. Für mich hat die App noch eine tiefergehende Aufgabe: Nachbarn sollen sich wieder mehr umeinander kümmern.

Die App allein verhindert natürlich keine Einbrüche, aber man kann schneller reagieren, wenn der Eine mit auf das Haus des Anderen achtgibt.

IMMOBILIENMARKT: Herr Tietjen, vielen Dank, für die Vorstellung Ihrer Geti-Safe-App.

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